- 20.01.2026 - 18:14 

Studie "Garage 2035": Wie sich Schweizer Autowerkstätten für die Mobilität der Zukunft rüsten

Die Schweizer Garagenbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Elektromobilität, veränderte Kundenerwartungen und Fachkräftemangel fordern traditionelle Geschäftsmodelle heraus. Eine neue Studie des IWI-HSG in Kooperation mit dem Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) liefert einen datenbasierten Ausblick bis 2035 und zeigt konkrete Strategien für die Transformation. Die Ergebnisse wurden am 13. Januar vor über 1000 Teilnehmenden am Tag der Garagisten in Bern präsentiert.
Prof. Ingrid Bauer-Hänsel und ihr Team bei der Vorstellung der neuen Studie

Über drei Monate hinweg analysierte ein Studierendenteam der Universität St.Gallen unter Leitung von Prof. Dr. Ingrid Bauer-Hänsel systematisch die Zukunft der Schweizer Garagenbranche. Die Methodik kombinierte akademische Tiefe mit Praxisnähe: 21 qualitative Interviews mit Garagenbetrieben und Branchenexperten, Field Visits mit Shadowing-Elementen sowie eine Umfrage mit über 100 Teilnehmenden zur Mobilitätshaltung der Generation Z bildeten die empirische Basis. Ergänzt durch systematische Desk Research entstanden belastbare Prognosen für die Dekade bis 2035.

Vier zentrale Treiber bestimmen die Zukunft

Die Analyse identifiziert vier Haupttreiber, die das Garagengeschäft fundamental verändern werden:

  • Gesellschaft & Politik: Das Auto bleibt relevant – auch für die Generation Z. Die Elektrifizierung schreitet voran, doch volatile Rahmenbedingungen schaffen Unsicherheit. Beim autonomen Fahren zeigt sich die Politik aufgeschlossener.
  • Technologie: Der Elektroantrieb fordert das klassische Servicegeschäft heraus, eröffnet aber neue profitable Felder wie Ladeinfrastruktur-Beratung, Software-Updates und ein attraktiveres Occasionsgeschäft.
  • Kundenverhalten: Besser informierte Kunden erwarten Transparenz, nahtlose digitale Services und proaktive Beratung. Die Expertise verschiebt sich vom Auto zum gesamten Mobilitäts-Ökosystem.
  • Personal: Der Fachkräftemangel wird zur zentralen Herausforderung. Gefragt sind neue Kompetenzprofile, attraktive Arbeitgeberkultur und klare Karrierewege.

Strategien für die Garage 2035

Aus den Erkenntnissen leitet die Studie konkrete Geschäftsmodelle und Handlungsempfehlungen ab. Zwei Beispiele zeigen mögliche Differenzierungsstrategien: Die Fokus- & Kompetenzgarage spezialisiert sich auf ausgewählte Segmente wie E-Mobility oder Performance-Fahrzeuge und positioniert sich über tiefes technisches Know-how. Die Digitale Concierge-Garage setzt auf nahtlose Customer Journeys und ein komfortables "Alles-aus-einer-Hand"-Erlebnis.
Zentrale Handlungsfelder für alle Garagen: Aufbau von E-Mobility-Kompetenzen und strategische Partnerschaften mit Energieversorgern, Digitalisierung der Customer Journey mit integrierten Online-Offline-Touchpoints, Positionierung als Mobilitätsberater statt reiner Werkstatt, systematische Mitarbeitendenentwicklung mit "Lernwerkstatt"-Konzepten für neue Technologien, sowie klare strategische Entscheidungen zur Differenzierung.

Fazit: Die Zukunft der Garage ist digital, bleibt aber menschlich

Die Studie zeigt: Die Garage 2035 wird anders aussehen als heute, aber sie wird existieren. Der Erfolg hängt davon ab, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Technologie verändert das Geschäft, aber der Mensch – ob als kompetenter Berater oder als treuer Kunde – bleibt zentral.

Bei Interesse an weiteren Details zur Studie oder an ähnlichen Forschungskooperationen wenden Sie sich an Prof. Ph.D. Ingrid Bauer-Hänsel, Assistenzprofessorin für IT-Management (ingrid.bauer-haensel@unisg.ch)
 

north